Nach den ersten 112 Tagen zieht das Klinikum Stuttgart eine positive Bilanz für das Projekt "Medical Intervention Car" (MIC). Das innovative Projekt, das hochspezialisierte medizinische Versorgung direkt an den Einsatzort bringt, hat sich als wertvolle Ergänzung zur bestehenden Notfallversorgung bewährt. Mit modernster Technik und einem interdisziplinären Team aus Notfallmedizinern und Fachärzten verschiedener klinischer Fächer konnte das MIC bereits zahlreiche Patienten in kritischen Situationen erfolgreich versorgen.
Ein medizinisches Kompetenzzentrum auf Rädern
Das Medical Intervention Car ist weit mehr als ein herkömmlicher Notarztwagen. Es ist mit hochspezialisierter Ausrüstung ausgestattet, die sonst nur in einer Klinik-Umgebungen zu finden ist. Dazu gehören unter anderem mobile Hochleistungs-Ultraschallgeräte, Labordiagnostik in Echtzeit sowie spezielle Beatmungs- und Überwachungsgeräte. Ziel des Projekts ist es, komplexe medizinische Maßnahmen bereits am Einsatzort durchzuführen und so die Überlebenschancen und die Behandlungsqualität deutlich zu erhöhen.
Seit dem Start des Projekts wurden bereits mehr als 160 Einsätze gefahren, bei denen in vielen Fällen lebensrettende Sofortmaßnahmen eingeleitet werden konnten. Zu den häufigsten Einsatzarten zählen schwere Unfälle, Herzkreislaufstillstände sowie pädiatrische und neonatologische Notfälle. Da ein Anteil der Einsätze in die Rufbereitschaftszeit der Kliniken fällt, verdeutlicht dies einmal mehr die Notwendigkeit, das MIC rund um die Uhr – 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche - einsatzbereit zu halten.
Das MIC-Team besteht aus einem interdisziplinären Team an Fachärztinnen und Fachärzten. Die Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie im Klinikum Stuttgart stellt derzeit elf Fachärztinnen und Fachärzte für den 24-Stunden-Betrieb. Ergänzt und komplettiert wird das System je nach Art des Einsatzes durch Kolleginnen und Kollegen der internistischen Intensivmedizin/ECMO-Team des Klinikum Stuttgart, der Pädiatrie 3 (Zentrum für Angeborene Herzfehler Stuttgart mit Pädiatrischer Intensivmedizin, Pulmologie und Allergologie) sowie der Pädiatrie 4 (Neonatologie mit neonatologische Intensivmedizin). Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht es, eine umfassende und spezialisierte Versorgung, insbesondere bei komplexen und zeitkritischen Notfällen, rund um die Uhr anzubieten. Finanziert wird das Projekt von der Björn-Steiger-Stiftung. Weitere Unterstützung erfolgt durch die Branddirektion Stuttgart sowie die Hilfsorganisationen des Rettungsdienstes.
Vorteile für Patienten und Rettungsdienste
Der Einsatz des MIC bringt zahlreiche Vorteile mit sich. Besonders bei zeitkritischen Notfällen wie Herz-Kreislauf-Stillständen, schweren Traumata sowie pädiatrischen und neonatologischen Notfällen kann die mobile Spezialversorgung entscheidend sein. Durch die frühzeitige Einleitung komplexer Behandlungsmaßnahmen können Folgeschäden minimiert und die Überlebenschancen erhöht werden.
Ein bemerkenswerter Fall aus den ersten 112 Tagen zeigt die Wirksamkeit des MIC: Ein 16-jähriger Patient überlebte dank des frühen Einsatzes einer Herz-Lungen-Maschine (ECMO) einen Kreislaufstillstand ohne neurologische Folgeschäden.
Die Abläufe des MIC-Teams werden kontinuierlich evaluiert und bei Bedarf angepasst, um die Versorgungsqualität weiter zu optimieren. Ähnliche Projekte gibt es bereits in Heidelberg, Kaiserslautern und Gießen, die ebenfalls auf eine spezialisierte mobile Notfallversorgung setzen.
Ausblick und Weiterentwicklung
Ein weiterer Schritt ist die Ausweitung der Einsatzgebiete: Inzwischen können auch angrenzende Landkreise das MIC bei besonderen Notfällen alarmieren. Dabei bleibt der Anfahrtsweg ein entscheidender Faktor, da es sich um zeitkritische Notfälle handelt. Zudem sind wissenschaftliche Studien geplant, um die Effekte des MIC auf die Patientenversorgung zu evaluieren.
„Mit dem Medical Intervention Car unterstreicht das Klinikum Stuttgart seine Vorreiterrolle in der Notfallmedizin und setzt neue Standards für die mobile Versorgung von Patienten in kritischen Situationen“, fasst Projektleiter Dr. Christoph Wihler zusammen.
Klinikum Stuttgart
Das Klinikum Stuttgart umfasst das Katharinenhospital, das Krankenhaus Bad Cannstatt und Deutschlands größte Kinderklinik, das Olgahospital. 9.000 Mitarbeitende, darunter über 3.000 Pflegekräfte und über 1.000 Ärztinnen und Ärzte, versorgen jährlich rund 90.000 Patienten stationär und mehr als 600.000 ambulant, einschließlich 100.000 Notfällen. Mehr als 60.000 Operationen werden jedes Jahr im Klinikum Stuttgart betreut. Das Katharinenhospital wird derzeit für über 800 Mio. € neu gebaut und schafft modernste Infrastrukturen für die Patientenversorgung.